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Wie mir Amazon mein Betriebssystem vermiest

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Vor ein paar Tagen hat Canonical ein neues Feature zur derzeitigen Entwicklungsversion von Ubuntu hinzugefügt. Eine Suche im Dash, über den man bis dato Dateien und Programme finden konnte, sucht nun automatisch auch auf Amazon nach Angeboten.

Der Deal ist klar, Canonical muss mit Ubuntu Geld verdienen und kann dies unter anderem auch durch diese neuerliche Shopping-Integration. Während Mark Shuttleworth, der Milliardär hinter Canonical noch herumpolemisiert, die Ergebnisse seien keine Werbung, sondern eben eine intelligente Suche, kommt mir schon die Galle hoch – aus mehreren Gründen. Einige davon lassen sich hier und hier nachlesen.

Natürlich kann ein Nutzer mit etwas Kenntnis von Ubuntu das Feature ohne Probleme deinstallieren, aber dennoch bleibt für mich ein großes Problem: Ich kann meinen Freunden Ubuntu nicht mehr uneingeschränkt empfehlen. Ich habe immer versucht Ubuntu bei meinen Freunden voran zu treiben, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Meinen größten Erfolg konnte ich in meiner ersten WG feiern, wo 5 von 5 Mitbewohnern Ubuntu auf ihrem PC installiert hatten. Das hatte vor allem damit zu tun, dass ich sie unablässig dazu aufgefordert habe.
Hätte ich damals immer dazu sagen müssen: Allerdings musst du dieses und jenes Feature deinstallieren, denn sonst wird jede Suche nach Programmen an Canonical und Amazon übertragen, hätte ich mich nicht nur unwohl gefühlt, sondern wohl auch Überzeugungsschwierigkeiten bekommen.

Das führt für mich zu folgender simpler Rechnung: Wenn Canonical diesen Schritt nicht zurücknimmt, werde ich eben auf die ebenbürtige auf Ubuntu basierende Alternative Linux Mint umsteigen. Nicht weil ich zu blöd wäre, das Feature zu deaktivieren, sondern damit ich Menschen, die sich an meinen PC setzen und von dem Betriebssystem begeistert sind, dieses weiterhin ohne Vorbehalte weiterempfehlen kann.

Mein Vorschlag: Das Installationsprogramm sollte darauf hinweisen, dass die Dash nach Angeboten aus dem Internet suchen kann, und die Option bieten, diese Funktion zu deaktivieren.

 

[ Update 1 ]

Inzwischen hat Canonical reagiert. Im neuesten Update lässt sich die Funktion unter den Optionen zur Privatsphäre abschalten. Reicht mir leider noch nicht. Ich kenne genug Leute, die nie den Weg in die Optionen finden werden, weil sie sich eben keine Sekunde zuviel mit ihrem PC beschäftigen wollen. Ich weiß, dass es Menschen in der Ubuntu-Community gibt, die sagen: Für solche Menschen ist ein Linuxsystem eben nicht gemacht, aber ich halte dagegen. Gerade für diese ist Ubuntu eine geniale Alternative zu Windows.

Daher bitte: Macht aus dem opt-out ein opt-in. Die Funktion sollte standardmäßig deaktiviert sein. Alles andere ist in meinen Augen nicht tragbar.

Derweil genieße ich die Vorzüge von Cinnamon, der neuen Oberfläche von Linux Mint, die mit ihrem modernen und gleichzeitig klassischen Menü auch ein Problem löst, dass ich mit Unity immer hatte: Es ist äußerst kompliziert sich alle installierten Anwendungen anzuschauen.

 

[ Update 2 ]

Ach Canonical, du bist schon ein Verein. Jetzt bin ich doch wieder bei Ubuntu gelandet. Cinnamon kann auf Dauer einfach nicht mit der Intuitivität und Einfachheit von Unity mithalten. Auch wenn ich immernoch der Meinung bin, dass die automatische Suche bei Amazon ein Unding ist. Muss ich Leuten, denen ich das Betriebssystem zeige nun auch immer gleich zeigen, wie man es deinstalliert.